Klettersport in Baden-Württemberg

Das Klettern an Felsen hat in den baden-württembergischen Mittelgebirgen eine über 100-jährige Tradition. Die Felsen im Land ermöglichen es den Kletterern und Bergsteigern, ihren Natursport auch nahe am Wohnort auszuüben.

    
Klettern in den Hessigheimer Felsengärten

Soziale Aspekte des Kletterns
Das Klettern beinhaltet durch Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortlichkeit in einer Seilschaft auch eine positive soziale Komponente. Aufgrund der vielseitigen motorischen Anforderungen und einer gleichmäßigen Belastung des gesamten Bewegungsapparats fördert das Klettern das gesundheitliche Wohlbefinden und die körperliche Fitness. Klettern ist ein Sport fürs ganze Leben, der über die sportliche Aktivität hinaus in den gesellschaftlichen und beruflichen Alltag wirkt. Neben der sportlichen Komponente bietet das Klettern intensive Naturerlebnisse und vermittelt prägende Naturerfahrungen. Es schafft somit günstige Voraussetzungen - gerade bei jungen Menschen - eine nachhaltige Mensch-Natur-Beziehung zu entwickeln. Viele Kletterer entwickeln aus der sportlichen Betätigung in der Natur eine enge Beziehung zu "ihren" Klettergebieten, zu Felsen und Felslandschaften. Dazu gehört auch das Wissen über die Felsen zu vertiefen und sich für ihren Schutz einzusetzen.


Teamwork, Grenzerfahrung und Naturerlebnis, Foto Wolfgang Liebich

Pioniere
Die Anfänge des Kletterns in Baden-Württemberg reichen zurück bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Aus den Battertfelsen über Baden-Baden sind aus dieser Zeit die ersten Kletterfahrten überliefert. Auch die Felsen der Schwäbischen Alb und des Oberen Donautales wurden bereits um die Jahrhundertwende als heimatliche Bergsteigerziele entdeckt. Entsprechend der damaligen Erstbesteigungsphase im Alpenraum konzentrierte sich das Interesse der Kletterpioniere meist auf die freistehenden Nadeln und Türme. Ab den zwanziger Jahren rückten auch die von oben zugänglichen Felsmassive in das Interesse der Bergsteiger, wie auch in den Alpen zunehmend bereits bestiegene Gipfel auf neuen, anspruchsvolleren Wegen erstiegen wurden. Das Klettern an den Mittelgebirgsfelsen galt damals vorwiegend dem Training für größere Bergfahrten im Hochgebirge. Gemäß dem alpinen Kletterstil wurden auch in den Klettergärten technische Hilfsmittel zur Sicherung, teilweise auch zur Fortbewegung, eingesetzt.


Felsfahrt am Reiterlefels um 1920, Lenninger Tal. Foto AKN Reutlingen

Sportklettern
Das Klettern in den Mittelgebirgen änderte sich in den siebziger Jahren mit dem Aufkommen des Freikletterns grundlegend. Die Beschränkung der künstlichen Hilfsmittel nur noch für die Sicherung ließ die Kletterer ihre Mittelgebirgsfelsen und die Gesteinsoberfläche bis in die feinsten Strukturen neu entdecken. Weniger das "Hochgebirge im Kleinformat" lockte sie fortan, als vielmehr die Herausforderung einer schwierigen Kletterstelle, die es mit Kraft und Geschicklichkeit zu meistern galt. Die Bedeutung des "Gipfelsieges" wurde ersetzt durch eine stetige Maximierung der "frei" gekletterten Schwierigkeiten, wobei Seil und Haken nur zur Sicherung, aber nicht mehr zur Fortbewegung verwendet wurden. Die ehemals mit Einsatz von Haken erstbegangenen Touren auf der Alb, im Schwarzwald und im Odenwald wurden nach und nach "frei" geklettert und mit modernem Sicherungsmaterial neu ausgestattet. Seit den achtziger Jahren hat sich eine neue Kletterergeneration entwickelt. Den Sportkletterern genügt das Klettern an den Felsen der Mittelgebirge vollauf. Sie zieht es nicht auf hohe Gipfel und in alpine Wände. Das Sportklettern stellt im Vergleich zum alpinen Klettern eine relativ ungefährliche und moderne Form des Bergsteigens dar. Dieses Klettern in den Mittelgebirgen mit wenig alpinen Gefahren hat viele neue Freunde gewonnen.


Sportklettern im 9. Grad, Foto Wolfgang Liebich

Bouldern
Eine moderne, besonders bei jungen und leistungsorientierten Kletterern beliebte Form des Kletterns ist das Bouldern. Beim Bouldern in Absprunghöhe ohne Seilsicherung steht die Bewältigung schwieriger Kletterstellen durch athletische Bewegungsmuster im Vordergrund. Zum Bouldern eignen sich kleinere Kletterfelsen und die unteren Wandbereiche höherer Felsen.


Bouldern